Thema: Privatschule – Viel Lärm um Nichts…

Viel Ärger derzeit für Kultusminister Spaenle. Nachdem die komplette Abiturklasse einer Privatschule in Schweinfurt durchgefallen ist, suchen Eltern, Lehrer und Politiker derzeit akribisch einen Schuldigen. Und siehe da – man schießt sich auf den Kultusminister ein. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Philologenverband und Freie Wähler – sie alle sind sich einig.
Er sei als zuständiger Minister schließlich, so der Tenor der Statements, schuld an den katastrophalen Zuständen in der betreffenden Schule.
Erst mal möchte ich mich, derselben Argumentation folgend, stellvertretend für alle Abiturienten der drei Freisinger Gymnasien und der Fachhochschule, bei dem Mann für das eigenhändige Bestehen des Abiturs bedanken. Denn wenn man dem Minister die Schuld für das Versagen der einen gibt, muss man ihm natürlich genauso auch den Erfolg der anderen zuschreiben.
Anscheinend kommt bei der verzweifelten Suche nach einem Sündenbock niemandem in den Sinn, dass das Konzept einer privaten Schule nicht Sache staatlicher Regelung ist. Ich dachte immer, deshalb schickten die Leute ihre Kinder auf Privatschulen: Eben weil dem Unterricht dort andere Konzepte von Erziehung und Bildung zugrunde liegen.
Ehrlich gesagt, habe ich ein wenig den Eindruck, dass sich gar mancher der betroffenen Schüler und ihrer Eltern vom Versprechen stressfreien Lernens hat einlullen lassen. Nun, mit dem Versprechen, dass Entbehrungen und harte Arbeit der angehenden Schüler harren, könnte gegenwärtig wohl keine Privatschule in Deutschland schwarze Zahlen einfahren.
Und tatsächlich höre ich immer wieder, dass die Kinder von der staatlichen Schule heruntergenommen und auf die Privatschule geschickt werden, „weil´s da einfacher ist“.
Klar, eine Zeit lang schon, aber die Prüfungen sind dann für alle Schulen dieselben. Und da schneiden die Schüler staatlicher Schulen in der Regel besser ab.
Der britische Schriftsteller Terry Pratchett schuf in seinem Roman „Going Postal“ (Dt.: „Ab die Post“) mit der Figur des Feucht von Lipwig einen ausgekochten Schwindler, der nur deshalb mit seinen Betrügereien Erfolg hat, weil er an das Wunschdenken seiner Opfer appelliert. Gefälschte Diamanten, so der „Held“ des Romans, könne man den Leuten nur deshalb andrehen, weil sie an die Geschichte vom verzweifelten Notleidenden glauben wollen, aus dessen Elend sie Profit schlagen können. Mit derselben Masche, so wurde neulich in einem Fernsehbeitrag gezeigt, haben osteuropäische Schwindler jahrlang leichtgläubige Kunden im Internet abgezockt: Weil sie an das sagenhaft billige Sonderangebot glauben wollten.
Natürlich war bei den Betroffenen in Schweinfurt nicht Habgier oder Billigmentalität der schwache Punkt, wohl aber wahrscheinlich der Glaube an den Erfolg durch anstrengungsloses Lernen.
Auch in meinem Beruf trifft man gar nicht so selten auf den verbreiteten Irrglauben, es sei mit eineinhalb Stunden Berieselung durch den Nachhilfelehrer getan, wenn der Nachwuchs bessere Noten bekommen soll. Und auch an angehenden Abiturienten, die konsequent die Lernvermeidungsstrategien ihrer bisherigen Schülerjahre fortzusetzen gedenken, mangelt es nicht.
Die Frage, was das Abitur überhaupt wert sein soll, wenn man es ohne Mühe erwirbt, wird dabei gerne ausgeblendet.
Die Suche nach einem Sündenbock und das Dreinschlagen auf den Kultusminister ist meines Erachtens in der gegenwärtigen Situation sogar kontraproduktiv: Jede der betreffenden Familien hat sich ja selbst für den Besuch einer privaten Schule entschieden, und offenbar hat keiner von ihnen das fragwürdige Konzept der Schule kritisch hinterfragt.
Wir brauchen keine Diskussion über Herrn Dr. Spaenle, sondern eine über die Versprechungen privater Schulanbieter.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/ Dr. M. Friz!

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