Thema Schule: Gewalt im Klassenzimmer

Eine neue Form der Gewalt im Klassenzimmer?

Dass die Prügelstrafe heutzutage keinen Raum mehr in der schulischen Ausbildung findet, ist sicherlich etwas Positives. Viele Jahre lang gab es für Fehlverhalten diese körperlichen Sanktionen. Heute natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, würden solche Handlungen seitens der Lehrkräfte umgehend landesweite Skandale hervorrufen – zu Recht. Und dass es auch ohne geht, darüber sind sich wohl alle einig. Allerdings äußert der Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger die These, dass es heutzutage eine subtilere Form der Gewalt gebe, die nicht nur von MitschülerInnen, sondern auch von Pädagogen ausgehe. Die Rede ist von psychischer Gewalt.

 

Diese sei zunächst einmal gar nicht so leicht zu erkennen, abfällige und geringschätzende Bemerkungen seien die häufigste Form. Gerade jüngere SchülerInnen sind nur in begrenztem Maße so weit, unterschwellige Botschaften zu verstehen. Sie nehmen derartige Kommentare hin, ohne allerdings zu wissen, dass sie persönlich angegriffen werden. Das ändert sich mit zunehmendem Alter. Hafeneger bringt Beispiele wie: „Da fehlt dir einfach die Begabung“ oder „Wo soll es auch herkommen?“ Leider sind diese nicht aus der Luft gegriffen und fallen hier und da tatsächlich einmal. Persönliche Aversionen gegen Lernende sollten seitens der Pädagogen nie Ausdruck finden, geschweige denn öffentlich im Klassenzimmer geäußert werden.

Doch nicht jede ironische Bemerkung muss mit psychischer Gewalt gleichgesetzt werden. Vielmehr kann ein wenig Humor, der von den Adressaten korrekt verstanden wird, durchaus förderlich für die Atmosphäre sein. Ein gegenseitiges, vorsichtiges Necken zwischen SchülerInnen und Pädagogen ist a priori also nicht etwas Negatives. Allerdings befinden sich letztere hier auf einer Gradwanderung, die ihnen schnell einiges an Autorität streitig machen kann. Vorsicht ist also geboten. Jeglicher Humor jedoch, der mit Abwertung verbunden ist, sei schon psychische Gewalt. Gerade zynische und sarkastische Äußerungen, wie weiter oben exemplarisch angeführt, seien immer verletzend und diskriminierend.

Selbstredend gehen derartige verbale Angriffe auch von KlassenkameradInnen aus. Lehrkräfte bedienten sich dieser allerdings in erster Linie um ihre Autorität zu untermauern, da sie die pädagogischen Herausforderungen nicht anders bewältigten, so Hafeneger. Rühren also abwertende Bemerkungen immer von Resignation her? Größtenteils bestimmt, doch sehen sich manche Lehrkräfte wohl auch persönlich von dem Verhalten mancher Lernenden angegriffen, sodass sie darauf mit psychischer Gewaltanwendung reagieren. Allgemein aber lässt sich die Liste der Ursachen sicherlich noch weiterführen, eine Rechtfertigung ist aber jeweils nicht zu finden.

Menschliche Interaktion bietet immer einen gewissen Grad an Spannungspotential. Gerade eben der schulische Raum ist hier nicht ausgeschlossen. Lehrer sind auch nur Menschen, die ebenso fehlerhaft sind wie deren Gegenüber im Klassenzimmer. Deren Job ist sicherlich kein leichter und jeder auch nur so kleine Ausrutscher kann ’gegen sie verwendet werden’. Hafeneger spricht mit dieser neuen Form der Gewalt sicherlich einen Punkt an, der seine Rechtfertigung findet. Doch muss objektiv betrachtet gesagt werden, dass sein Interview ein wenig einseitig erscheint. Denn abwertende Äußerungen fallen seitens der Pädagogen nicht generell und auch nicht ununterbrochen. Bei all den zweifelsohne fundierten Ansätzen ist eine gewisse Unvoreingenommenheit allerdings wünschenswert.

Abschließend macht Hafenger klar, dass solche Szenarien im Studium und in Fortbildungsprogrammen etabliert werden sollten. Es gehe um Sensibilisierung für Beschämung, sodass LehrerInnen mehr zu Anerkennungspädagogen werden.

Ist damit aber ein reibungsloser Unterrichtsablauf schon gewährleistet?

Herzlichst, Ihre Nachhilfeexperten!

das komplette Interview ist zu finden unter: http://www.fr-online.de/wissenschaft/gewalt-im-klassenraum–lehrer-darf-kein-beschaemungspaedagoge-sein-,1472788,16636036.html

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