Zweite Realschule Freising: Interimslösung

Soll einer sagen, wir Freisinger hinkten der Zeit hinterher. In Zeiten, in denen Realityshows einen festen Platz im deutschen Fernsehen haben, schicken wir sogar eine ganze Schule in den Container. Und da heutzutage bekanntlich sowieso jeder unter Beobachtung steht, müssen wir uns schon fast Sorgen machen, dass wir bald Ärger mit dem einen oder anderen Privatfernseh-Anbieter bekommen – wegen unerlaubten Kopierens eines beliebten Senderformates.

Spaß beiseite: Für die geplante und mehr als notwendige zweite Realschule in der Stadt Freising – die vierte im Landkreis und der Entlastung vor allem der überlaufenen beiden Realschulen in Freising und Eching dienend – werden dringend Räume gesucht. Denn der Bau der neuen Schule wird länger dauern als deren Einrichtung.

Und da geeignete Räumlichkeiten in unserer florierenden Gemeinde bekanntlich genauso knapp sind wie Wohnungen, mussten sich die Entscheidungsträger so einiges einfallen lassen.

So wird der Landkreis als Träger es sich einiges kosten lassen – die Rede ist von 1,3 Millionen Euro! – dass die Schüler im Schuljahr 2014/15 termingerecht in der neuen Schule anfangen können. Nur dass „Schule“ hier weniger im Sinne eines konkreten Gebäudes zu verstehen ist, sondern als eine Institution. Übergangsweise werden also Wohncontainer von der Fröbelschule in Lerchenfeld übernommen, in denen der Unterricht dann stattfindet. Fach- und Sportunterricht, für die jeweils speziellen Räume vonnöten sind, werden dann voraussichtlich an der nahen Mittelschule in der Moosstrasse abgehalten werden.

Das alles ist natürlich eine Übergangslösung, die alles andere als optimal anmutet. Doch in Anbetracht der Lage ist diese Lösung sicherlich die bestmögliche. Denn natürlich ist nicht anzunehmen, dass diese Übergangslösung länger als unbedingt nötig beibehalten werden wird.

Und ein rascher Start der neuen Schule ist sozusagen alternativlos. Schließlich platzen die genannten Realschulen in Freising und Eching wirklich aus allen Nähten. Man kann also schlecht auf die Fertigstellung des Schulgebäudes warten, ehe man mit dem Projekt anfängt.

Aber: Auch ein Gebäude ist nun mal wichtig, dass sich die Schüler mit ihrer Schule identifizieren können und dort heimisch werden. So wie eine Klassengemeinschaft immer mehr ist als nur eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Schülern, ist auch eine Schule immer mehr als die bloße Summe derer, die sie besuchen.

Schule ist nun mal nicht nur reine Vermittlung von Lerninhalten, sondern auch eine Lebensvorbereitung: Die Schüler machen hier wesentliche Erfahrungen für das Funktionieren einer sozialen Gemeinschaft. Ein großer Teil ihres Entwicklungsprozesses wird in ihrer Klassen- und Schulgemeinschaft stattfinden. In der Schule werden sie zum Teil zu denjenigen Menschen herangebildet, die sie später als Erwachsene einmal sein werden.

Und so wird es für die Lehrer eine doppelte Herausforderung werden, nicht nur den Unterricht trotz aller Widrigkeiten planmäßig durchzuführen, sondern eben auch, ihren Schützlingen eine gemeinsame Identität und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Füreinander-Daseins zu geben.

Vielleicht sollten sie als Vorbereitung schon mal die einschlägigen Containersendungen der Privatsender verfolgen. Da können sie dann zumindest studieren, wie es nicht enden sollte.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team, Dr. M. Fritz!

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