Gewalt unter Jugendlichen – auch in Freising ein Thema

Beim Durchblättern der Nachrichten aus Freising und Umgebung fällt mir momentan ganz besonders eines auf: Die Zunahme von Gewaltkriminalität vor allem unter jungen Leuten. Ganz besonders düster stellt sich da der Rosenmontag in Gammelsdorf dar. Beim Querlesen der verschiedenen Delikte kann man als Unbeteiligter den Eindruck gewinnen, dort hätte ein mittlerer Volksaufstand stattgefunden.

 

Auch die einschlägigen Treffpunkte der Freisinger Nachtschwärmer sind häufig in den Nachrichten. Leider ebenfalls meist nicht wegen kultureller Höhepunkte, sondern aufgrund von Überfällen von Gästen oder auf Gäste (oder beidem).

Nun muss ich zugeben, dass meine Wahrnehmung sicherlich verzerrt ist aufgrund der Tatsache, dass ich das Nachtleben in unserer Stadt durch die Zeitungsberichte wahrnehme. Auch ist der Anstieg der Schlägereien sicherlich nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Freising seit Beginn der 90er Jahre ein rasantes Bevölkerungswachstum erlebt hat. Und auch, dass es eine vergleichsweise junge Bevölkerung aufweist.

Was sich dadurch aber nicht wegerklären lässt, ist die zunehmende Brutalität dieser Untaten. Ausdrücke wie „krankenhausreif geprügelt“, „Notarzt“ oder „bewusstlos“ sind in fast jedem Bericht zu finden.

Es mag ja auch schon früher am Wochenende und noch dazu unter Alkoholeinfluss öfter zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Aber ich glaube nicht, dass diese Reibereien jedes Mal gleich so ausuferten. Ich meine auch schon des Öfteren gelesen zu haben, dass in der Qualität der Delikte eine zunehmende Verrohung zu beobachten ist: Früher hat man nicht noch auf die am Boden liegenden Gewaltopfer eingetreten.

Woran liegt es? Sind die Computerspiele schuld? Die immer brutaleren Actionfilme? Ein Wandel in der Kultur?

Vielleicht ist es eine Mischung aus alledem. Es ist eine Tatsache, dass unsere Gesellschaft auch außerhalb des Bereiches der physischen Gewalt immer gnadenloser wird: Gemeint ist die Tendenz, einen als Gegner wahrgenommenen Mitmenschen in jeglicher Weise zu vernichten. Wir Erwachsenen machen das natürlich mit eleganteren Mitteln. Mit übler Nachrede, Mobbing, oder wodurch wir den Anderen sonst noch so diskreditieren, ausgrenzen, oder ihnen ihre Würde nehmen. Machen wir uns nichts vor: Wir selbst sind – etwas archaisch ausgedrückt – das Böse, und sollten nicht mit Fingern auf diejenigen zeigen, die in ihrer Sprachlosigkeit nur die krassesten und brutalsten Methoden der Vernichtung wählen.

Wir selbst sind aufgerufen, unseren Kindern und Jugendlichen ein Vorbild zu sein, indem wir eine lebenswerte Umgebung schaffen, in der sie in Rücksichtnahme und Respekt vor dem Mitmenschen aufwachsen. Mitmensch, überhaupt, dieses Wort – wir haben es meist schon selber vergessen. Denn wo der Mensch des Menschen Wolf ist, da sieht er ihn nicht mehr als Mitmenschen, sondern als Beutetier. Die Entmenschlichung ist stets der erste Akt, wenn es um die Auslöschung geht.

Es ist leicht, auf die Jugend zu schimpfen. Und es hat eine lange Tradition: Bereits ein sumerischer Text aus dem frühen zweiten Jahrtausend v. Chr. zählt alle Vorurteile und Stereotypen auf, auf die Erwachsene auch heute noch gerne zurückgreifen.

Aber selber den Kindern ein Vorbild zu sein ist schwer. Wie jede Veränderung, die zuerst bei einem selber anfängt und nicht bei den anderen.

Die Idee dazu stammt übrigens nicht von mir. Sie wurde vor 2000 Jahren im heutigen Israel von einem galiläischen Wanderprediger  in zahlreichen Predigten und Gleichnissen thematisiert. Aber erfunden hat auch er sie nicht. Es ist eine zeitlose Idee.

Vielleicht sind im katholischen Freising gerade der Aschermittwoch und die auf ihn folgende Fastenzeit ein guter Anlass, in sich zu gehen und etwas zu verändern.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

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