Kinder dürfen, müssen, sollen…

Wer Kinder hat, kennt die nicht seltenen Diskussionen, wenn es um die Mitarbeit im Haushalt geht. Lieber diskutiert man 1 Stunde, als kurzerhand die Spülmaschine zu leeren, den Müll zu entsorgen oder das Zimmer aufzuräumen. Besonders schwierig ist die Verteilung der Aufgaben, wenn es mehrere Kinder in einer Familie betrifft. Kinder haben naturgemäß ein besonders ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Außerdem kann sich der eine oder andere Punkt noch verschärfen, wenn die Eltern ins schwierige Alter kommen, das nennen wir Pubertät. Vielleicht haben Ihre Kinder auch schon mal die Genfer Konvention erwähnt, um die Sache so richtig eskalieren zu lassen?

Aufmerksam geworden bin ich auf einen Artikel in einer Elternzeitschrift, die sich mit diesem Erziehungsthema näher beschäftigt hat. Dürfen Kinder eigentlich das Zimmer abschließen, die Wände bemalen, nach Laune Gäste beherbergen? Die UN-Kinderrechtskonvention gibt Kindern ein Recht auf Privatsphäre. Eltern sollten es vermeiden, das Kinderzimmer ohne Erlaubnis zu betreten oder die Schränke zu durchstöbern. Treiben es Jugendliche zu toll, müssen Eltern eingreifen, denn ihnen obliegt das Wohn- und Sorgerecht. Natürlich gilt das nicht für jedes Alter. Kleinkinder sind anders zu behandeln als Jugendliche. Die Grenzen der Kontrolle sind fließend und sind auch situativ zu betrachten. Das Kindeswohl steht immer im Vordergrund. Das gilt auch bei Gefährdung durch Medienmissbrauch oder Internetsucht.

Wie schaut es denn bei der Post aus?

Grundsätzlich gilt das Postgeheimnis auch bei Jugendlichen. Kinder dürfen die Post der Eltern nicht ohne Erlaubnis öffnen und umgekehrt Eltern bei ihren Kindern nicht. Eine Ausnahme gilt bei Drogenmissbrauchsverdacht oder wenn das Kindeswohl  in anderer Weise in Gefahr ist.

Ein weiteres Thema ist in vielen Familien der „Dress Code“. Dürfen Eltern Kindern vorschreiben, was sie an zuziehen haben? Prinzipiell ja, wenn die Teenie Tochter allzu aufreizend das Haus verlassen will, oder der Sohn mit Hakenkreuzkette die Brust verziert, können und müssen Eltern aktiv werden. Grundsätzlich gilt: durch ein partnerschaftliches Erziehen und unter  Berücksichtigung einer guten und selbstständigen  Entwicklung das Kind zu fördern. Die Wahl der Kleidung gehört ebenso zu einer gesunden Entwicklung, wie auch das Lesen eines guten Buches oder die Mitgliedschaft in einem Sportverein.

Wie sieht es bei der Wahl der Wohnung aus? Laut § 1631, Abs. 1 BGB, bestimmen die Eltern wo das Kind wohnt. Sie dürfen Minderjährige nicht hinauswerfen. Möchten die minderjährigen Kinder die elterliche Wohnung verlassen, benötigen sie die Einwilligung der Eltern. Gibt es jedoch zu Hause unhaltbare Zustände mit körperlicher Gewalt und Missbrauch, ist unverzüglich das Jugendamt zu verständigen.

Können Kinder die Hilfe im Haushalt z. B. beim Spülen oder Putzen verweigern?  Nach § 1919 BGB, sind Kinder zur Mithilfe im Haushalt nach ihren Kräften und in altersgerechter Weise verpflichtet. Bei alledem dürfen die schulischen Pflichten und ausreichend Freizeit nicht verletzt werden.

Ein häufiger Streitpunkt ist der Konsum. Dürfen Kinder mit ihrem Taschengeld anfangen was sie wollen? Ja, was sich ein Kind ab dem 7. Lebensjahr vom Taschengeld kauft, darf es auch behalten. Verbieten dürfen Eltern Einkäufe, die mit Folgekosten verbunden sind oder im höheren Preissegment liegen. Ein geschenktes Haustier bedarf auch der elterlichen Erlaubnis.

Übrigens, seit 1990 gilt die UN Konvention für Kinderrechte auch in Deutschland. Sollte es Verdacht auf Missbrauch geben, gibt es die kostenlose Nummer gegen Kummer: 0800-1110333.

Oder im Internet: www.fuer-Kinderrechte.de

Herzlichst, Ihr Jürgen Chitralla!

Quelle: Focus Schule

Wie hat Ihnen dieser Blogbeitrag gefallen?
Nicht so toll!Ein Hauch von Nutzen!Es geht so!Finde ich okay!Toller Blogbeitrag (No Ratings Yet)

Loading ... Loading ...

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *