Wann sollten Kinder ausziehen?

Ziel einer jeden Erziehung ist es doch, die Kinder fit dafür zu machen, den Alltag selbständig zu überstehen. So kommt jeder einmal an den Punkt, die Schwelle in ein Leben ohne die Eltern zu überschreiten und die eigenen vier Wände zu beziehen. Hier kann man sich natürlich fragen, mit welchem Alter dies denn vollzogen werden sollte. Doch spielen noch entscheidende weitere Faktoren eine Rolle, die über das Alter eines Erwachsenwerdenden hinausgehen.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: wie von selbst liegt die unsaubere Wäsche von vor ein paar Tagen fein zusammengelegt im Zimmer, das Essen steht immer pünktlich auf dem Tisch und Miete ist (oftmals) nur ein Fremdwort. Natürlich ist ein Leben bei den Eltern ein unbeschwertes. Was macht da schon das gelegentliche Wäscheaufhängen oder Rasen mähen? Unweigerlich kommt man jedoch an den Punkt, wo all dies endet.

Nimmt das Kind mit 18 eine Lehre auf, ist klar, in wenigen Jahren ist ein Auszug angesagt. Doch was ist mit denen, die vorher noch die Uni Bank drücken? Tendenziell sind es wohl die StudentInnen, die länger Nesthäkchen bleiben. Denn auch ein Studium ist mit viel Aufwand verbunden, der allerdings nicht vergütet wird. Und das scheint der Knackpunkt zu sein. Wie soll es denn möglich sein, eine Wohnung oder ein Zimmer in einer Universitätsstadt neben dem Studium zu unterhalten? Hinzurechnen muss man natürlich noch Faktoren wie Einkäufe und Versicherung. Schier ein Ding der Unmöglichkeit, führt man sich vor Augen, dass auch das Studieren nicht umsonst ist und u.U. nach wie vor ein Anfahrtsweg zurückgelegt werden muss. Ein Auszug kommt also kaum in Frage. Heißt das, dass Studierende tendenziell unselbständiger sind?

Natürlich gibt es eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Studentenwohnheimen, die auch immer mehr als gut gefüllt sind. Doch auch hier ist man auf finanzielle Hilfe angewiesen. Entweder die Eltern springen in die Presche, oder man erhält Unterstützung durch den Staat (z.B. BAföG zur Erklärung siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesausbildungsf%C3%B6rderungsgesetz). Doch letzteres ist ja zurückzuzahlen, man startet als gleich mal mit Schulden ins Arbeitsleben – ebenfalls ein nicht wünschenswerter Zustand.

Nur weil jemand mit 26 noch bei den Eltern wohnt, heißt das nicht zwangsläufig, dass diese Person mit den Umständen auch zufrieden ist, fehlen wohl lediglich die Mittel zur räumlichen Veränderung. Die Herausforderung während des Studiums ist es, die Kosten möglichst gering zu halten. Somit ist ein Pendeln vom Elternhaus zur Uni nur in den seltensten Fällen die teurere Variante.

Mal einmal weg vom Geld, das sicherlich mit die entscheidende Rolle spielt, muss man auch einmal die Einzelfälle betrachten. Ist es denn immer so, dass sich Menschen, die noch zuhause wohnen, nur bedienen lassen? Bestimmt nicht, gibt es doch auch Fälle, bei denen man viel mehr davon sprechen könnte, die Kinder lebten mit und nicht bei den Eltern. Was ist mit denen, die zwar zuhause wohnen, aber ihr Studium durch einen Nebentätigkeit selbst finanzieren? Oder diejenigen, die sich um hinfällige Eltern kümmern und diese womöglich pflegen? Es ist doch wichtig, hier mit einer gewissen Unvoreingenommenheit zu argumentieren.

Letztendlich muss ein jeder natürlich selbst entscheiden, wann man auf eigenen Beinen stehen möchte und wann dies geschehen sollte. Natürlich ist es unabdingbar, dass an einem gewissen Punkt ein Auszug vollzogen wird. Nur sollte man immer zuerst auf die Situation achten, bevor man Betroffene über einen Kamm schert.

Sollten Sie an Erfahrungsberichten Studierender zu diesem Thema interessiert sein, so finden sich davon einige unter folgender Adresse: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article106369496/Hotel-Mama.html.

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