Lese-Nachhilfe…

Vielerorts wird häufig beklagt, jüngere Generationen würden nicht mehr genug lesen. Bücher seien für viele Jugendliche einfach nicht mehr attraktiv. Andere Medien scheinen deren Platz eingenommen zu haben. Dabei wird aber immer wieder betont, wie wichtig Lesen für Heranwachsende sei. Es helfe der Konzentration, der Phantasie, bereichere den Wortschatz, helfe der Fähigkeit, sich gut auszudrücken. Auch die neu aufgekommenen e-books scheinen eher bei Erwachsenen Anklang zu finden. Schade eigentlich, bietet Literatur ja viel Potential. Um die Lesemotivation von Kindern und Jugendlichen wieder ein wenig zu steigern, soll im kommenden Jahr in Neuss, Nordrhein-Westfalen, ein Projekt beginnen, das Bücher und Heranwachsende wieder näher zusammen rücken möchte.

Hintergrund ist der Bedarf an Nachhilfe, den dort lebende Kinder und Jugendliche im Bereich der Lese-, Schreib- und auch Sozialkompetenz hätten. Hierbei soll ein so genannter Lese-Mentor Abhilfe schaffen und sich jener annehmen, die auf diese Hilfe angewiesen sind. Das werde in Köln bereits erfolgreich umgesetzt. Konzept des Ganzen ist es, in Einzelbetreuung etwas zu lesen, das den Lernenden gefällt, sei es ein Buch, ein Comic oder ein Zeitungsartikel. Das nimmt den Einheiten auch ein wenig den Charakter des Nachhilfeunterrichts, der sie überhaupt nicht sein sollen. Es geht darum, mit Spaß und Eigeninitiative wieder an das Lesen herangeführt zu werden. So heißt es auch seitens der Organisatoren: „Die Aktion soll Spaß machen, Lesemotivation und -fähigkeit stärken und das Textverständnis fördern“. Die Mentoren können da helfen, korrektes und flüssiges Lesen möglich zu machen und stehen bei etwaigen Fragen sofort zur Verfügung.

Der Bedarf, so lassen es Schulen verlauten, sei riesengroß. Sicherlich sind hier nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund gemeint, die Sprachprobleme haben, auch Muttersprachler brauchen Unterstützung. Die Schulen sind es auch, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Es gibt also für die SchülerInnen in dem Sinne keinen Mehraufwand, sie können nach dem Unterricht einfach da bleiben. Die Basis sei also da, es fehlten lediglich die Lese-Mentoren.

Und die sind natürlich nicht so leicht zu kriegen. Da die Aktion für alle kostenlos ist, arbeiten auch die Mentoren ehrenamtlich. Hier bedarf es der Bereitschaft, sich intensiv mit einem Jugendlichen befassen zu wollen und das über ein Jahr lang. Es gehe nämlich um Verlässlichkeit und Konstanz. Das ist insofern einleuchtend, als ausgeprägte Lesefähigkeiten nicht von heute auf morgen erlernbar sind. Natürlich sind beide Seiten da gefragt, entsprechenden Einsatz zu bringen. Unterstützung wird vielerseits gewährt, so auch von der Volkshochschule und der Bibliothek, die den Lesestoff bereitstellt. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Annette Schavan oder Fußballtrainer Friedhelm Funkel haben dazu aufgerufen, diese Möglichkeit zu nutzen.

Hinsichtlich der eingangs erwähnten Tatsache, dass das Lesen für Heranwachsende immer mehr in den Hintergrund rückt, ist das Projekt in jedem Fall ein guter Ansatz. Dennoch ist es immer wieder schwer, sowohl SchülerInnen zur Teilnahme zu bewegen, als eben auch Ehrenamtler zu finden, da es stets einen zeitlichen Mehraufwand für beide Seiten bedeutet. Die Teilnahme ist selbstredend freiwillig. Lehrkräfte schlagen Lernende vor, die gewisse Schwächen haben und diese können dann entscheiden, ob sie daran teilnehmen wollen oder nicht. Im Blick darauf aber, was erreicht werden kann und in welchem Maße sie davon profitieren können, sollte die Motivation doch steigern. Auch für die Mentoren könnte es da Erfolgserlebnisse geben, wenn sie den graduellen Fortschritt der Lernenden beobachten können.

Vielleicht werden auch wir in Bayern in den nächsten Jahren vermehrt von solchen Projekten zu hören bekommen. Vorstellbar ist auf jeden Fall, dass derartige Ansätze Wellen schlagen können.

Herzlichst, Ihr Abacus Team!

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