Lesehilfen

„Was, den gibt´s wirklich?“, fragte mich einer meiner Schüler einmal erstaunt, als ich im Unterricht beiläufig den Namen Gilgamesh erwähnte.

Wie sich herausstellte, kannte mein Schüler den sumerischen König aus dem frühen vorchristlichen zweiten Jahrtausend und Helden eines ganzen Sagenkreises sowie eines nach ihm benannten Epos – aus einem Computerspiel!

Und das ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Spieldesignern auf die Schliche gekommen bin. Eine Zeit lang habe ich einem jüngeren Verwandten mit der Affinität zu solchen Spielen immer weitergeholfen, wenn er in seinen Abenteuern nicht mehr weiter kam. Ich selber spiele diese Spiele allerdings nicht. Aber aufgrund meiner Ausbildung im Bereich alte Sprachen und Kulturen und Ethnologie und meines privaten Interesses am Lesen wusste ich immer, was im Spielablauf zu erwarten war.

Liebe Schüler, es ist Zeit für eine Enthüllung: Die Typen, die Eure heiß geliebten Games „erfinden“, haben gar nicht so viel Phantasie wie Ihr vielleicht denkt.

Aber sie haben öfter mal eine gute Vorbildung in Mythologie, Epik und Geschichte alter Kulturen, und aus diesem Fundus schöpfen sie.

Schon das Alte Testament weiß: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne“.

Eigentlich ganz selbstverständlich: Man kann schließlich nur das aus einem Kopf rausholen, was man zuvor hineingesteckt hat. Die viel zitierte Kreativität wird von den meisten Zeitgenossen überschätzt: Kreativität ist nicht, wie man das landläufig gern hört, eine Creatio ex nihilo, sondern entsteht aus der freien Verbindung dessen, was man in langen Jahren gelernt hat.

Die Zahl der Genies, die wirklich mal eine neue Idee hat, ist so gering, dass in der ganzen Geschichte der Menschheit wohl kaum mehr als ein paar Hundert davon gelebt haben.

Alle anderen waren auf das angewiesen, was sie von woanders übernommen haben und was sie dann neu kombiniert haben.

Solltet Ihr Euch also mit dem Gedanken tragen, später mal einen Beruf im Kreativbereich zu ergreifen, tut was für Eure Bildung. Lest, soviel Ihr könnt! Und saugt das Wissen auf wie ein Schwamm.

Es ist nun mal so: Zeichnen, programmieren oder modellieren können ist nur die eine Seite solcher Jobs. Das ist gewissermaßen das Handwerk. Aber der kreative Funke, die zündende  Idee, ist das, was den Künstler vom Kunsthandwerker unterscheidet.

Was bedeutet, je gebildeter einer ist, desto kreativer ist er.

Unnützes Wissen gibt es übrigens nicht – irgendwann kann man alles mal gebrauchen!

Und motiviert Euch: Begnügt Euch nicht mit dem Konsumieren dessen, was andere erdacht haben, sondern versucht selber aktiv zu werden.

Dann macht auch das Lesen mehr Spaß. Und das Spielen von Computerspielen hat dann einen Sinn anstatt zu schaden.

Herzlichst, Ihr ABACUS TEAM, Dr. M. Fritz!

 

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