Schenken ist nicht gleich Schenken

Es ist doch immer wieder schön, leuchtende Kinderaugen vor dem Weihnachtsbaum sehen zu können, wie sie sich gebannt auf die Geschenke stürzen … um dann doch nicht immer vollends glücklich zu sein. Wie kommt es, dass sich an Weihnachten oft die Enttäuschung breit macht? Psychologin Svenja Lüthge wurde nun zu diesem Thema befragt. Sie erklärt, warum die Rolle der Geschenke am Heiligen Abend relativiert werden sollte.

Sie geht davon aus, dass Kinder einen besonderen ‚Herzenswusch’ haben. Mit Anfertigen des Wunschzettels kommen dann aber viele andere Ideen zum Vorschein, die nicht selten aber nur sekundär wichtig sind. Liegt also dieses eine besondere Geschenk nicht unter dem Baum, kann es durchaus zu Enttäuschungen kommen. Verständlich ist das allemal, haben Kinder ja an Weihnachten die Möglichkeit, sich zu wünschen, was sie wollen. Natürlich ist eine ganz andere Frage, inwieweit das dann auch erfüllt werden kann. Somit kramen sie dann in ihren Erinnerungen und denken über Dinge nach, die ihnen auch gefallen könnten. Folgerichtig wird die Liste aber immer länger. Hier rät Lüthge klar dazu, nicht den Rahmen zu sprengen: 25 Dinge, die darauf stehen, seien zu viel, somit würde den einzelnen Präsenten kaum mehr Aufmerksamkeit zugerechnet. Sollte der Wunschzettel auf 5 bis 6 Geschenke begrenzt ist, sei die Freude aber umso größer: „Auf dem Wunschzettel ist weniger mehr, wie beim Schenken generell“. Außerdem müssten sich Kinder dann genau hinterfragen und gut selektieren, was sie denn eigentlich haben möchten. Eine Wunschliste sollte also kein Brainstorming sein.

Allerdings gibt es ja da noch weitere Familienangehörige, die den Kindern eine Freude machen wollen. Gerade Großeltern sind dafür bekannt, die Enkel stets gern und umfangreich zu beschenken. Hier rät die Psychologin den Eltern, bereits früh Geschenke zu koordinieren. Im Idealfall sollten diese etwas mit dem ‚Herzenswunsch’ zu tun haben und ihn unter Umständen erweitern, sodass es nach dem Heiligen Abend eher Kleinigkeiten geben sollte. Schließlich soll ja das Hauptaugenmerk eben darauf bleiben.

Aus psychologischer Sicht beschreibt Lüthge, dass Kinder noch gar nicht in der Lage wären,den Geschenkeberg in ihrer Wahrnehmung und Gefühlswelt einzuordnen.“ Sie verweist auf die Erwachsenen selbst, die sich meist auch eher über etwas weniger freuen, wenn sie das Bemühen eines anderen erkennen. Werden nun zu viele Geschenke vergeben, so verlieren einzelne davon, wie oben bereits angemerkt, schnell an Bedeutung. Doch womöglich haben sich Eltern gerade bei Einem viele Gedanken gemacht und den einen oder anderen Euro mehr ausgegeben. Das geht dann in den Massen aber unter. Natürlich kann von Kindern nicht verlangt werden, das schon vollends zu begreifen. Hier ist es an den Eltern, sie zu sensibilisieren und vorzubereiten. Insofern erscheint die Begrenzung des Wunschzettels auf 5 bis 6 Dinge, so wie Lüthge es vorschlägt, durchaus sinnvoll.

Was ist aber, wenn Kinder merken, dass andere viel mehr bekommen haben? Das ist sicherlich auch für Eltern dann keine leichte Situation und sie können sich leicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Daher sollten die Erziehungsberechtigten stets darauf vorbereitet sein und sich womöglich schon Erklärungen zurechtlegen. Gute Argumente liefert da auch Lüthge.

Die Geschenke gehören nun einmal fest zum Weihnachtsfest dazu, aber sollten sie natürlich nicht Mittelpunkt der Festlichkeiten werden. Diese Werte sollten den Kindern eben schon so früh wie möglich vermittelt werden. Schließlich ist Weihnachten ja bekanntlich das Fest der Liebe und nicht der Geschenke.

Sollten Sie Interesse gefunden haben, so lesen Sie doch den ganzen Artikel, in dem die Psychologin noch auf weitere interessante Fragen eingeht.

http://www.sueddeutsche.de/leben/expertentipps-zur-erziehung-welche-geschenke-kinder-gluecklich-machen-1.1545089-2

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