Thema Erziehung: Der Umgang mit “Schimpfen und Grenzen…

Wie Erziehung ohne (ständiges) Schimpfen funktioniert:

Kinder können Eltern schnell zur Weißglut treiben. Ist ja auch klar, denn irgendwann kommt jeder einmal an den Punkt, an dem der Gedultsfaden reißt. Wiederholt man zum gefühlten einhundertsten Mal, das Kind möge doch bitte die Spülmaschine ausräumen, rutscht man doch schnell dahingehend ab, dass ein lauterer Umgangston angewandt wird. Wie es auch anders geht, hat jetzt Psychologin Silke Rieckenberg der Süddeutschen verraten. In einem ausführlichen Interview zeigt sie Tipps auf, wie ständiges Schimpfen umgangen werden kann.

Eingangs weist sie darauf hin, dass es Kinder, die jederzeit folgsam sind, nicht gibt. Auch sie sind Menschen, die eine eigene Persönlichkeit haben und mit dem Heranwachsen zunehmend eigene Entscheidungen treffen möchten. Verbote und Anweisungen empfinden sie schnell als störend und einengend, Unabhängigkeit ist ihr Ziel. Die sozialen Regeln, so Rieckenberg, die wir als gegeben erachten, könne ein Kind aufgrund mangelnder Erfahrung noch gar nicht kennen. Durch das ständige Auffordern bekäme ein Kind das Gefühl, es den Eltern ohnehin nicht recht machen zu können und blockiert. Was ist also eine zu bevorzugende Herangehensweise?

Zunächst einmal rät Rieckenberg dazu, das ’Vergehen’ abzuwägen: Ist einem die Angelegenheit wirklich wichtig oder ist das Verhalten doch noch tolerabel? Eltern sollten sich hierbei wirklich hinterfragen, inwiefern man nicht gewisse Freiheiten gewähren kann, wie oft regt man sich wegen Lappalien auf? Ist es allerdings doch so, dass man als Erziehungsberechtigter eingreifen muss, sollten die Missstände in einem Vier-Augen-Gespräch thematisiert werden. Vor anderen geschimpft zu werden versetzt das Kind (oder gerade auch Jugendliche) in eine unangenehme Situation, noch mehr negative Gefühle werden hervorgerufen. Versetzen Sie sich als Vater oder Mutter einmal in deren Lage. Würden Sie es wünschen, Konflikte lautstark öffentlich anzugehen?

Weiterhin seien klare Anweisungen vonnöten. Somit gäben Eltern Anleitung zu korrektem Verhalten. Das ist besonders bei kleineren Kindern wichtig. Doch sollten diese auch Konsequenzen ihres Verhaltens zu spüren bekommen, die aber angemessen sein sollten. Das Kind sollte die Chance haben, im Anschluss wieder in die Ausgangssituation zu kommen, für gutes Verhalten sollte es dann gelobt werden. Rieckenberg veranschaulicht das anhand eines Beispiels, in dem ein Kind Sand auf ein anderes wirft. Hierbei sei ein zweiminütiger Ausschluss aus dem Sandkasten ausreichend, was auch effektiver sei, als ständig zu ermahnen oder gar wutentbrannt nach Hause zu eilen. Rieckenberg: „Wer nur schimpft, belohnt ohne es zu wollen, unangemessenes Benehmen mit Aufmerksamkeit.“

Doch wie sieht das ganze bei älteren Kindern und Jugendlichen aus? Letztlich sei es das gleiche Prinzip, nämlich Regeln zu erklären und zu begründen. Allerdings sollten sich Eltern hierbei auch anpassen: je älter der Nachwuchs ist, desto mehr Entscheidungsfreiheit wünschten sie. Demnach sei es wichtig, Alternativen zur Wahl zu stellen. So vermitteln sie das Gefühl, nicht selbst alles zu bestimmen.

In nicht wenigen Blogeinträgen über Erziehung, die Sie auf dieser Seite finden, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ein Miteinander wünschenswert, ja unumgänglich für ein harmonisches Zusammenleben ist. Auch Rieckenberg kommt zu diesem Schluss wenn sie über Problembewältigung spricht: „Wer Kinder mit einbezieht, wird überrascht sein, was für gute Ideen sie haben“. Sicherlich wäre das auch im Jugendalter eine nachhaltige Strategie, Erziehung sinnvoll zu gestalten.

Um noch einmal auf den Anfang zurück zu verweisen, so lässt sich sagen, dass Erziehung ganz ohne Schimpfen wohl nicht auskommt. Schließlich ist es als Erziehungsberechtigter notwendig, Autorität zu vermitteln. Am wie und wie oft allerdings kann man durchaus arbeiten, finden Sie nicht?

Grundsätzlich gilt aber: Nicht ständig diskutieren, sondern konsequent handeln!

Hier geht es zum Artikel der Sueddeutschen:

http://www.sueddeutsche.de/leben/expertentipps-zur-erziehung-eltern-haben-eine-falsche-sicht-auf-die-dinge-1.1389517

4 Kommentare

  1. [...] schnell unbrauchbar und langfristig können sich entsprechende Tendenzen noch verschlimmern. In der Erziehung sollte also darauf geachtet werden, normkonformes Verhalten oder erfolgstragende Handlungen zu [...]

  2. [...] die Prügelstrafe heutzutage keinen Raum mehr in der schulischen Ausbildung findet, ist sicherlich etwas Positives. [...]

  3. [...] Hinblick auf die Erziehung zu mündigen Bürgern ist ein vernünftiger Umgang mit Geld unerlässlich. Natürlich ist es oft [...]

  4. [...] denn Streit gehöre einfach zur Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes, sagen Experten: „Durch Konflikte können sie lernen, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren und sich gegen andere [...]

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