Thema Erziehung: Kommunikationsprobleme?

Wenn ich den Umfragen traue, sind anscheinend sechzig Prozent der Eltern in Deutschland der Meinung, dass die Erziehung der Kinder Aufgabe der Lehrer sein sollte. Das heißt, eine Aufgabe, die sie eigentlich als die ihre begreifen sollten, ist nach ihrer Meinung besser in anderen Händen aufgehoben.

Ist es fehlendes Selbstvertrauen der Eltern, die mit der Vielzahl oft widersprüchlicher Erziehungsmodelle überfordert sind?

Ist es Faulheit?

Oder hat sich da was in den Vorstellungen vom Eltern- bzw. Lehrersein verschoben?

In Zeiten, in denen die Lösung zahlreicher Probleme in der Arbeitswelt „Outsourcing“ lautet, ist es nicht verwunderlich, dass das Prinzip auch irgendwann im familiären Bereich ankommt. Immerhin, ist der Deutsche doch mit seiner Arbeit verheiratet. In keinem Land der Welt reden die Leute schließlich auch nach Feierabend so viel über ihren Job wie in unserem.

Doch leider hat dieses Missverständnis handfeste Konsequenzen. Denn die Lehrer, die aufgrund der Schülerzahlen oft schon am Unterricht scheitern, sehen sich außerstande, die Erziehungsaufgabe zu übernehmen.

Die ohnehin nicht Teil ihrer Jobbeschreibung ist.

Was die betreffenden Eltern nicht kümmert. Sie pochen auf ihre Ansicht.

Und was kommt dabei heraus?

Viele Kinder erhalten halt gar keine Erziehung mehr.

Das ist ein altbekanntes Problem, daher muss ich nicht weiter darauf eingehen. Jeder von uns kennt Beispiele für gescheiterte Erziehung, sei es vom Hörensagen, sei es auch eigener Anschauung.

Neu ist eine Variante, die ich neulich beobachten durfte: Da beklagten sich Eltern, dass die Hausaufgabenbetreuung nicht auch noch individuelle Nachhilfe gibt.

Mein Einwand, dass deren eigentliche Aufgabe nur ist, für das Erledigen der Hausaufgaben zu sorgen, wurde beiseite gewischt. Auch das zwingende Argument, dass allein die schiere Anzahl der dort versammelten Kinder individuelle Lernunterstützung unmöglich macht, wollte mein Gegenüber nicht gelten lassen.

„In anderen Ländern klappt das ja schließlich auch so“, fügte er triumphierend an.

Klar, aber in diesen Ländern bezahlen die Eltern dafür auch ein durchschnittliches Monatsgehalt für die Unterbringung ihres Nachwuchses. Die deutsche „Geiz-Ist-Geil-Mentalität“, die neben dem Bildungssektor so nur noch im Technikmarkt (obwohl… da scheut Mann ja bekanntlich keine noch so hohen Preise, wenn es um den neuesten Firlefanz geht…) zu finden ist, würde eine solche qualifizierte Rundumsorglos-Unterbringung mit All-inclusive-Angebot wohl kaum mitmachen.

Der betreffende Herr hatte also anscheinend wirklich gedacht, der Spross seiner Lenden würde für einen Hunderter nicht nur ganztags betreut, mit Vollwertkost ernährt und beaufsichtigt werden, nein, praktischerweise (für ihn!) sollten die bekanntlich nicht besonders gut bezahlten Aufsichtskräfte für diesen Obolus auch noch kompetente Nachhilfe erteilen!

Ich wusste nicht, ob ich mich darüber nun wundern oder ärgern sollte. War es Ahnungslosigkeit oder Oberflächlichkeit, die ihn zu diesem Ausspruch trieb? Oder war es schlichtweg Unverschämtheit?

Liebe Leser, der Ort für Nachhilfe ist eindeutig hier.

Bespielen lassen können Sie ihre Kinder woanders. Aber dort gibt es dann auch keine fachkundige Nachhilfe.

Basta!

 

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

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