Realschule Au: Wie viel ist der Norden Wert?

 

Dieser Tage wurde es also Ernst: Die Bürgermeister der Gemeinden Nandlstadt, Au, Rudelzhausen und Hörgertshausen haben Landrat Michael Schwaiger neben einem Schulkonzept eine Unterschriftenliste der betroffenen Gemeinden vorgelegt, in denen sich die Unterstützer eines solchen Modells eingetragen haben.

Worum also geht es?

Wie alle Gebiete im Umland von München, insbesondere aber im Dunstkreis des Flughafens, verzeichnet auch der Norden des Landkreises Freising seit Jahren steigende Einwohnerzahlen. Im Gegensatz zu vielen Regionen auch in Bayern, in denen seit Jahren immer weniger Menschen leben wollen. Und es sind vor allem junge Familien oder solche Paare, die es werden wollen, die sich hier niederlassen. Denn die Singles zieht es nach München, während in letzter zeit sogar immer mehr Familien mit Kindern auf Grund der hohen Mieten dort aufs Land ziehen. Und immer mehr Kinder, sollte man meinen, sind eine im Sinne des Wortes wachsende Begründung für die Gründung wohnortnaher Schulstandorte.

Eigentlich also Grund zur Freude – ich habe Freunde, die in Gegenden Deutschlands leben, die sukzessive von ihren Bewohnern verlassen werden. Abgesehen von dem deprimierenden Gefühl, das einen zwangsläufig beschleicht, wenn man an immer mehr verlassenen Häusern vorbeigeht, und den immer schlechter werdenden Jobchancen, verfallen die Zurückgebliebenen auch in eine Art Depression: Wie sollte es auch anders sein, wenn man nirgends mehr Kinderstimmen hört und nur noch in alte, faltige Gesichter blickt? Das erzeugt zwangsläufig Endzeitstimmung!

Kinder sind eine zunehmend verknappende Ressource, und Mangel oder Überfluss an Ressourcen bestimmt die Frage von Armut oder Reichtum.

Kinder sind hier im Landkreis Freising unser Reichtum!

Aber anstatt nun – je nach persönlicher religiöser Überzeugung – Gott, dem Schicksal oder dem Universum dafür zu danken, kommen ganz andere Fragestellungen zum Zuge.

Die des Geldes.

Vor allem die Kosten für die anfallenden Schulgebäude, so verlautete aus dem Kreis von Verwaltung und Landrat, stellten eine Hürde für die geplante Schule dar.

Na toll.

Sollte hier am Ende eine weitere Konstante ins Spiel kommen, die mit Ressourcen zu tun hat: wovon der Mensch am meisten hat, damit geht er am sorglosesten um?

Das nehme ich nun auch wieder nicht an.

Wie dem auch sei: Ich gebe ernsthaft zu bedenken, dass das leidige Geld zwar ein Problem sein mag. Doch wenn es um Bildung geht, sollte uns nichts zu teuer sein.

Wir reden hier ja immerhin von unserer Zukunft. Und nicht nur von der Zukunft der betroffenen Kinder.

Ein ganz entscheidender Standortfaktor im Wettstreit der Kommunen um ansiedlungswillige Familien ist die vorhandene Infrastruktur. Und da hat der nördliche Landkreis ohnehin mit einem entscheidenden Nachteil zu kämpfen: Der öffentliche Nahverkehr hier ist bei weitem nicht so gut ausgebaut wie der im Süden, wo es zusätzlich zu den Busverbindungen auch noch die S-Bahnlinien nach München und zum Flughafen gibt.

Es wäre also keine Gefälligkeit der Entscheidungsträger aus dem Süden, sondern eine Frage der Gerechtigkeit, wenn nun wenigstens beim Realschulzweig eine ortsnahe Versorgungslücke geschlossen würde.

Im Raum Freising stehen in nächster Zeit viele Bauprojekte an – die meisten zugegebenermaßen nicht zur Debatte auf der Ebene der Kreisräte. Doch in den Augen der Bürger wird nicht unterschieden werden, welche Stelle was finanziert. Sollen wir jetzt ausgerechnet dann nach dem Geld fragen, wenn es um die Bildung unserer Kinder geht? Das würde die Politikverdrossenheit steigen lassen, soviel ist sicher.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

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