Lasst die Hauptschüler nicht mit den Hauptschülern allein!

 

Eine neue Studie vom renommierten Ifo-Institut bringt es ans Licht: Die frühere Trennung von Haupt- und Realschülern in Bayern schadet dem Leistungsniveau der Hauptschüler.

Zwar war für den untersuchten Zeitraum von 2000 – 2006 auch bei den Realschülern eine Tendenz zu schlechteren Qualifikationen absehbar. Doch der erklärte Bildungsökonom Marc Piopiunik, der die Studie durchführte, anders: Im gleichen Zeitraum seien immer mehr Realschüler – und zwar gerade die besten – ans Gymnasium gewechselt. Dies könne man an den steigenden Abiturientenzahlen im Land ablesen.

Anders dagegen sieht es bei den Hauptschülern aus, die wohl aufgrund der zu frühen Festlegung auf dieses Schulniveau keinen Ehrgeiz mehr entwickelten, ihre Leistungen zu steigern.

Das ist eine bedenkliche Entwicklung, denn die Ergebnisse der Studie besagen nichts anderes, als dass sich Kinder und Heranwachsende in einem Alter, in dem sie sich eigentlich alles zutrauen sollten, selbst abschreiben. Was für Erwachsene werden wohl aus ihnen später einmal werden?

Sie werden mir den abgehobenen Gedankengang, den ich Ihnen nun im Folgenden zumuten möchte, hoffentlich nachsehen, aber ich frage mich, wie wohl Alexander der Große sich unter solchen Umständen entwickelt hätte. In einem Alter, in dem er von den Herrschern seiner Zeit kaum für voll genommen wurde, eroberte er das größte Imperium, nämlich das persische Weltreich. Das hätte er wohl kaum ohne das entsprechende Selbstvertrauen schaffen können.

Sie meinen nun vielleicht, er wäre ohnehin besser zuhause geblieben? Er hätte unzähligen Menschen viel leid ersparen können? Nun, das mag richtig sein, aber als Argument für den Vorteil verunsicherter und resignierender Hauptschüler kann ein solches Beispiel wohl nicht herhalten. Vielleicht hätte er einfach noch mehr von seinem Lehrer lernen sollen, dann hätte er auch so vom Krieg abgelassen.

Aber zurück zum Thema.

Früher, da galt die Hauptschule einmal etwas. Sie qualifizierte ihre Schützlinge für eine Ausbildung. Heute ist diese Institution in manchen Gegenden zu einer Verwahranstalt für Jugendliche verkommen, damit diese – polemisch gesagt – wenigstens mal am Vormittag von der Strasse runter sind. Aber ehe Sie jetzt in medial antrainierte Reflexe verfallen – ausdrücklich nein, es liegt nicht am hohen Ausländeranteil! Aber diese oftmals gebetsmühlenartig wiederholte Scheinbegründung des hohen Migrantenanteils verrät trotzdem viel über den Umgang mit dem Problem. Anstatt etwas zu ändern, schiebt man die Schuld den Schwächsten in der Gesellschaft zu, den Ausländern, und präsentiert der blutgierigen Meute der Mehrheitsgesellschaft damit einen bequemen Sündenbock.

Dabei könnte man die Sache doch auch produktiv angehen. Wenn es also wirklich an den schlechten Deutschkenntnissen eines Teils der Schüler liegt, muss man offensichtlich mehr finanzielle Mittel und mehr Denkanstrengung in Form von intelligenter Planung in die Sache investieren.

Allerdings ist das nicht genug. Denn es betrifft eben nicht nur die Schüler mit Migrationshintergrund, sondern in gleichem Maße auch die ohne.

Das eigentliche Problem ist: Oftmals haben die Lehrer dort die Schüler geradezu abgeschrieben.

Wenn aber derjenige, dessen Berufsethos darin bestehen sollte, das Beste aus jungen Menschen herauszuholen – und zwar gerade dann, wenn diese selbst nicht mehr an sich glauben wollen – seiner Aufgabe nicht gerecht wird, dann ist die Sache verloren. Nun will ich aber auch nicht in die übliche Lehrerschelte einstimmen. Der Beruf des Hauptschullehrers genießt unter allen Lehrerberufen den niedrigsten Respekt beim Volk, und es fehlen auch viel zu viele. Gerade an dieser Schulform sollten viel kleinere Klassen mit besserer Förderung die Regel sein. Die Realität sieht leider meist anders aus.

Wir sollten die Hauptschule in jeder Beziehung wieder aufwerten. Und das kostet halt.

Nicht zuletzt Geld. Geduld. Fleiß. Planung.

Aber es geht nun mal um das Schicksal von Menschen. Und da sei kein Preis zu hoch.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

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