Vorsicht vor unbekannten Studienfächern…

Mit einer gewissen Verwunderung registriere ich einen Artikel der „Süddeutschen Zeitung“, in dem angehende Studenten vor arglistiger Täuschung durch Universitäten und Fachhochschulen gewarnt werden (LINK: http://www.sueddeutsche.de/karriere/inhalte-des-bachelor-studiums-ohne-grundlagen-geht-es-nicht-1.1518738-2 ). Hinter so manchem Studiengang mit wohlklingendem Namen verbirgt sich eine riesige Enttäuschung. Sei es, dass die frisch gebackenen Erstsemester nach und nach merken müssen, dass das Fach ihrer Wahl Kurse verlangt, die ihnen ganz und gar nicht liegen, sei es, dass althergebrachte und vielleicht ein wenig „hausbackene“ Studienfächer schlichtweg umbenannt werden.

Man wird mir die Frage gestatten, wie einem so etwas passieren kann? Gehen die jungen Leute nicht zur Studienberatung? Wird das Studium nach nach dem tollen Namen gewählt?  Freilich, in einem solchen Fall brauche ich mich anschließend nicht zu beschweren.

Gerade bei der Generation Internet ist das aber ein wenig befremdlich. Man weiß doch heute nur zu gut, dass man nicht einfach unbesehen etwas kauft. Immerzu, in allen Medien, wird vor Mogelpackungen und Schwindelverträgen gewarnt. Keiner von diesen hoffnungsvollen Studienanfängern würde einen Handyvertrag abschließen, ohne sich genau über den Anbieter und das Angebot zu informieren. Auch das geht per Internet ganz gut. Und Sie werden lachen: das weiß ich von Schülern, die mittlerweile zu besagten Studenten zählen. Mit süffisantem Grinsen erzählte mir so mancher von ihnen die Geschichten von Missgeschicken, die ihnen selbst so natürlich nie hätten unterlaufen können, und gießen herzlos erbarmungslosen Spott über die Dummheit der Protagonisten ihrer meist wenig amüsanten Histörchen aus.

Und bei einer Entscheidung, die den gesamten weiteren Lebensweg betrifft, wäre das auf einmal ganz anders? Schließlich haben heutzutage alle Universitäten und Fachhochschulen eine Webpräsenz, wo man zu jedem dort angebotenen Fach genaue Beschreibungen und sogar die angebotenen Kurse des laufenden und der vergangenen Semester einsehen kann.

Ich glaube nicht, dass das Problem mangelndes Wissen über vorhandene  Informationsmöglichkeiten liegt. Es liegt an der weit verbreiteten Haltung, das eigene Wunschdenken zu verabsolutieren und mit schöner Selbstverständlichkeit zu erwarten, dass die Realität sich gefälligst den persönlichen  Vorstellungen anzupassen habe. Dabei sollten junge Menschen, selbst wenn sie aufgrund ihres Alters naturgemäß sicher ein wenig zum Leichtsinn neigen, sich spätestens nach der Schule vergegenwärtig haben, dass das nicht funktioniert.

Wieso?

Die so genannte Notenarithmetik, im Volksmund auch Milchmädchenrechnung genannt, basiert auf demselben Wunschdenken. Und funktioniert auch nie.

Wenn ich soundsoviele Vieren habe, kann ich mir eben eine Fünf NICHT erlauben. Denn meist habe ich wichtige Unbekannte in der Gleichung übersehen. Etwa schlechte Mitarbeitsnoten oder die Tatsache, dass so manche errechnete Mitarbeitsnote eben nicht erreicht wurde. Oder dass die letzte Note keine Fünf wurde, die zum Durchkommen grad noch so gerecht hätte, sondern leider eine Sechs.

Ein weiterer Faktor, der sicherlich eine Rolle spielt, ist eine merkwürdige Form von Größenwahn. Selbst Schüler, die zunächst unsicher und schüchtern sind, mutieren nach dem Abitur nicht mal sonderlich selten in Kreaturen, die sie selbst nicht gern in ihrem Freundeskreis wüssten. „Hopplahopp, jetzt komme ich!“, scheint jede Facette ihres Wesens nach außen zu transportierten. Nach Feierabend (gibt es den an einem tüchtigen Institut überhaupt?) hört man sie dann in den jeweils angesagten Lokalitäten davon schwadronieren, dass es eigentlich gar nicht auf Leistung ankommt heutzutage, sondern wie man sich verkauft. Ich muss sie enttäuschen. Abgesehen davon, dass Professoren oder Dozenten in der Regel dazu neigen, sich in den ersten paar Semester nicht mal die Mühe zu machen, sich den Namen der Neulinge zu merken („Erst mal sehen, wer in drei, vier Semestern noch hier ist!) – sie verfügen sicherlich über genug fachliche und soziale Kompetenz, einen Dampfplauderer zu erkennen, wenn sie einen vor sich haben.

Fazit: Bescheidenheit, Fleiß und Informiertheit sind die besten Eintrittskarten ins Studium wie ins restliche Leben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *